Medizinischer Dienst

Fragen an Dr. Gerd-Christoph Hövelmann, Arzt im Medizinischen Dienst

Was ist der Medizinische Fachdienst im Berufsbildungswerk Bethel (BBW)?

Im Medizinischen Dienst des BBW Bethel arbeiten ein Arzt für Neurologie und Psychiatrie und zwei Krankenschwestern zusammen. Alle Drei haben wir langjährige Expertise in der Epilepsiebehandlung.

Wir sind primär zuständig für alle jungen Menschen, die zu uns ins BBW kommen. Die Beurteilung der beruflichen Eignung aus medizinischer Sicht spielt eine große Rolle. Der Schwerpunkt liegt dabei weiter bei den Anfallserkrankungen. 

Unser gemeinsames Ziel mit den Teilnehmenden und allen anderen Kolleginnen und Kollegen ist die Erreichung einer erfolgreichen Berufsausbildung trotz Handicap.

Was genau macht der Medizinische Dienst, wenn ich ins BBW Bethel komme?

Zu Beginn steht das Anamnesegespräch mit Erfragung der bisherigen Erkrankungen. Welche Erfolge und Misserfolge gab es bei den bisherigen Behandlungen etc.? Wichtig für uns sind die Vorbefunde, damit u.a. belastende Untersuchungen nicht wiederholt werden müssen, und um die bisherigen Therapieerfahrungen nutzen zu können.

Viele Neuankömmlinge bringen an ihrem ersten Tag im BBW Bethel wichtige Vorbefunde mit. Ist dies nicht der Fall, müssen diese (einverständlich) angefordert werden.

Wichtig ist die gemeinsame Besprechung und Auswertung: Was hat bislang geholfen und was hat gefloppt? Das hilft bei der Optimierung der Therapie.

Es geht auch um eine ganzheitliche Wahrnehmung, sowohl begleitender somatischer als auch psychosozialer Problemlagen.

Im Epilepsiebereich ist das Ziel die Anfallsfreiheit, die sich oft erreichen lässt. Die eingespielte Zusammenarbeit mit Hausärztinnen und Hausärzten und der Epilepsieambulanz bringt Erfolge. Auch für eine „state of the art“-Behandlung ist der kollegiale Austausch wichtig. Es geht nicht um irgendeine Behandlung, sondern um die möglichst optimale Behandlung auf dem Stand der Wissenschaft.

Die Zusammenarbeit mit dem Lernort Wohnen ist ein weiterer wichtiger Faktor, sowohl was die Registrierung von Anfällen betrifft, als auch die Unterstützung bei der Einnahme der oft komplexen Medikation, etc.

Welche Möglichkeiten haben Sie, die medizinische Behandlung im Laufe der Maßnahmenzeit im BBW Bethel zu verbessern?

Der Weg zur Verbesserung der Behandlung kann zum Beispiel eine Änderung bei den eingenommenen Medikamenten während der laufenden beruflichen Maßnahme bedeuten. Eine Medikamenten-Umstellung wird im BBW Bethel vorsichtig durchgeführt, so dass die Teilnehmenden dabei ausbildungsfähig bleiben. Voraussetzung ist eine zuverlässige Mitwirkung der Teilnehmenden.

Wenn unsere „Bordmittel“ nicht reichen, besteht die Möglichkeit der stationären Behandlung. Die Zusammenarbeit mit den Epilepsiekliniken Kidron und Mara ist bewährt. Meist kommen die Teilnehmenden des BBW Bethel auf die Station für junge Erwachsene mit Epilepsie (JEEP). In Mara steht das ganze Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: Von Psychotherapie über Medikamente bis hin zu prächirurgischer Diagnostik und Neurochirurgie bei fokalen, therapieresistenten Epilepsien.

Das Faszierende an der Epilepsiebehandlung ist das breite Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten. In guter Tradition ist uns auch sozialmedizinische Hilfestellung wichtig. Bethel fasziniert da durch seine Vielfalt an Hilfen.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Anfallshäufigkeit während der Maßnahmezeit verringert oder die Anfälle sogar ausbleiben?

Die Chance auf Verbesserung der Anfallssituation ist groß. Mich fasziniert immer wieder, welche große Rolle dabei Basisaufgaben spielen. Es geht mit einfachen Dingen los:

Geregelter Tagesablauf, Nachtruhe, Information über die Erkrankung, Tablettentraining usw. Mit diesen einfachen Maßnahmen lässt sich oft bereits viel verbessern.

Kann ich mich auch mit Fragen an den Medizinischen Dienst wenden, die nicht direkt mit der Epilepsiebehandlung oder der beruflichen Eignung zu tun haben?

Ja, wir bieten Beratung und Unterstützung bei verschiedensten Fragestellungen an, die nicht nur mit Epilepsie zu tun haben. Häufige Themen sind: (ärztliche) Aufklärung und weitere Informationsvermittlung zu Arbeitsunfähigkeit, zu Sexualität und Empfängnisverhütung sowie zu sozialen Themen oder auch zu Zuzahlungsbefreiung. Aktuell gibt es viele Fragen zum Thema Corona.

Daneben leisten wir oft so genannte „kleine Medizin“. 

Was ist das Epilepsiezentrum Bethel? 

Das Epilepsie-Zentrum Bethel ist ein Kompetenznetzwerk: Hier wird für Menschen mit Epilepsie und ihre Angehörigen das gesamte Spektrum relevanter Behandlungs- und Unterstützungsformen basierend auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand angeboten: Beratung, Diagnostik, (medikamentöse) Behandlung, Epilepsiechirurgie, Psychotherapie, Rehabilitation, Ausbildung und Arbeit, Wohnen und Teilhabe in der Gesellschaft, Schulungsprogramme, etc.

Diese Angebote sind an verschiedenen Stellen in Bethel angesiedelt. Ihre zielgerichtete individuelle Bereitstellung für Personen mit Epilepsie leisten wir in guter Zusammenarbeit: Unabhängig davon, an welcher Stelle des Epilepsie-Zentrums interessierte Personen anfragen, erhalten sie bedarfsgerechte Beratung zu Behandlungs-, Unterstützungs- und Assistenzmöglichkeiten.

Unser gemeinsames Ziel ist, die Lebensqualität von Menschen mit Epilepsien zu verbessern oder zu erhalten und Kompetenz im Umgang mit Epilepsien zu fördern. Die Aufklärung über die Erkrankung und die Beteiligung von Angehörigen ist uns persönlich besonders wichtig.

Gemeinsam setzen wir uns ein für Rahmenbedingungen, die eine bedarfsgerechte Versorgung und Unterstützung für Menschen mit Epilepsien fördern. In Verbands- und politischen Gremien engagieren wir uns dafür, dass die spezifischen Leistungsbedarfe von Menschen mit Epilepsien anerkannt und finanziert werden. Das macht Freude und gibt Sinn.

Kontakt

Medizinischer Dienst

Dr. Gerd-Christoph Hövelmann
Facharzt
Telefon: 0521 144-4178
gerd-christoph.hoevelmann
(at)bethel.de

Gabriele Schlerf
Krankenschwester
Telefon: 0521 144-5171
gabriele.schlerf
(at)bethel.de

Julia Römer
Krankenschwester
Telefon: 0521 144-4185
julia.roemer
(at)bethel.de