Mit dem Psychologischen Fachdienst kann man jedes Problem bereden.

Psychologischer Dienst

Jungen Menschen dabei helfen, Krisen zu meistern Fragen an Beate Rolf und Dr. Ellen Schack vom Psychologischen Fachdienst. 

Welche psychischen Probleme können Jugendliche mit epileptischen Erkrankungen haben?

Auch ohne eine epileptische Grunderkrankung ist das Jugendalter ein Zeitfenster in der Gesamtentwicklung eines Menschen, welches sich durch psychische „Besonderheiten“ bis hin zu psychischen Krisen und psychiatrischen Erkrankungen auszeichnet. In dieser Altersspanne müssen alle Jugendlichen die typischen Konflikte zur eigenen Identitätsfindung durchlaufen. Dies  gilt im Hinblick auf die berufliche Identität, die Geschlechtsrollenidentität, die Selbstständigkeitswerdung und damit zusammenhängend die Ablösung vom Elternhaus. Dieses für jeden Jugendlichen und jede Familie komplizierte Geflecht der eigenen Identitätsfindung wird durch eine bestehende Anfallserkrankung häufig zusätzlich verdichtet. Die Ablösung von der Familie wird aufgrund bestehender Ängste erschwert, das Gleiche gilt für die Geschlechtsrollenidentifizierung. Viele der betroffenen anfallskranken Jugendlichen haben aufgrund ihrer Anfälle Ausgrenzung und Demütigung durch andere Jugendliche erfahren. Ein Teil der Jugendlichen hat Angst, alleine in die Öffentlichkeit zu gehen, da die Sorge besteht, bei einem auftretenden Anfall keine bzw. falsche Hilfe zu bekommen oder im schlimmsten Fall ausgelacht und diskriminiert zu werden.   

Bei ca. 15% - 20% sind neben den epileptischen Anfällen oder auch nur ausschließlich dissoziative (seelisch verursachte) Anfälle vorhanden. Bei dieser Art von Anfällen ist eine therapeutisch-pädagogische Unterstützung notwendig, Medikamente helfen bei diesen Anfällen nicht.           

Weiterhin ist wissenschaftlich gut nachgewiesen, dass epileptische Erkrankungen aufgrund hirnorganischer Besonderheiten häufiger mit psychischen Störungsbildern einhergehen, im besonderen sind hier depressive Störungsbilder und Angststörungen zu nennen, bei einem geringen Teil entwickeln sich Störungsbilder aus dem schizophrenen Formenkreis.

In seltenen Fällen können Medikamente (Antiepileptika) psychische Störungen auslösen.

Sind die psychischen Störungen, Krankheitsbilder oder Auffälligkeiten schon bekannt, wenn die jungen Leute zu Ihnen kommen oder stellen Sie erst die Diagnose?

Das ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Teilnehmende sind vor Aufnahme in das BBW sehr gut differentialdiagnostisch untersucht und behandelt worden, bei anderen Jugendlichen gibt es vage Hinweise auf eventuelle Störungsbilder, bei einem nicht unerheblichen Teil der Jugendlichen wird ein psychisches Störungsbild erst im BBW erkannt.

Welche psychischen Problematiken haben die Teilnehmenden im BBW, die keine Epilepsie haben?

Für die anderen Zielgruppen im BBW ist die Frage eher schwierig zu beantworten. Am ehesten finden sich Selbstunsicherheit und mangelndes Selbstwertgefühl, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen. Vereinzelt sind auch Jugendliche bei uns, die ausschließlich ein psychiatrisches Störungsbild haben. Als Einzelbeispiele seien erwähnt paranoide Psychose, Zwangsstörung, Depression, Autismus, Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Wie helfen Sie jungen Menschen mit psychischen Störungen?

Der Psychologische Dienst berät Teilnehmende bzgl. verschiedenster Problemstellungen. Hierzu gehören Störungen im zwischenmenschlichen Bereich, Eingewöhnungsprobleme, ausbildungsrelevante Probleme, Krankheitsverarbeitung und die alterstypischen Konfliktbereiche von jungen Erwachsenen. Die Eigenverantwortung und selbstbestimmte Teilhabe der jungen Menschen wird durch diese Beratungsangebote  gestärkt. Sehr bewährt haben sich auch Verhaltenspläne, die wir für einige Jugendlichen erstellt haben.

Falls eine berufliche Bildungsmaßnahme aufgrund erheblicher psychischer  Minderbelastbarkeit nicht mehr zielführend ist, sucht der Psychologische Dienst nach alternativen Unterstützungsangeboten (z. B. stationäre Klinikaufnahme) und bahnt einen Erstkontakt an.

In Einzelfällen bzw. bei Wunsch der Teilnehmenden kann auch der Kontakt zu einer psychologischen Beratungsstelle in Bethel angebahnt werden. Diese Beratungsstelle hat als einen Arbeitsschwerpunkt „Epilepsieerkrankungen“. Der Vorteil für die Teilnehmenden liegt darin, dass diese Beratungsstelle völlig unabhängig vom BBW arbeitet. Für einige Jugendliche ist das sehr wichtig. 

Ansprech-
partnerinnen

Beate Rolf
Psychologin

Telefon: 0521 144-3855
beate.rolf(at)bethel.de

Dr. Ellen Schack
Psychologin

Telefon 0521 144-4179
ellen.schack(at)bethel.de