In solchen kompetenten und netten Händen fühlt auch der sensibelste Pirat keinen Schmerz.

Ärztlicher Dienst

Fragen an Heike Elsner, Ärztin im Medizinischen Fachdienst

Was ist der Medizinische Fachdienst im Berufsbildungswerk (BBW)?

Im Medizinischen Dienst des BBW, auch Ärztlicher Dienst genannt, arbeite ich als Ärztin zusammen mit einer Krankenschwester und einer Sekretärin. Wir sind zuständig für alle jungen Menschen, die zu einer beruflichen Reha-Maßnahme in unser Haus kommen. Unsere Aufgabe ist die Beurteilung der beruflichen Eignung aus medizinischer Sicht, unser Spezialgebiet sind dabei die Anfallserkrankungen. Wir möchten den jungen Menschen, die zu uns kommen, dabei helfen, dass ihre Anfallserkrankung kein großes Hindernis mehr auf Ihrem Weg in ein selbstständiges Leben darstellt.  

Was genau macht der Medizinische Dienst, wenn ich ins BBW komme?

Wenn die jungen Menschen zu uns kommen, überprüfen wir zunächst einmal, ob sich ihr Berufswunsch aus gesundheitlicher Sicht verwirklichen lässt – unabhängig davon, was andere Stellen vorher zur Berufseignung gesagt haben. Dabei beziehen wir auf der einen Seite die ganze Krankheitsgeschichte in die Beurteilung ein, auf der anderen Seite die Überlegung, ob sich die medizinische Behandlung im Verlauf der Maßnahme bei uns noch verbessern lässt. Andere Erkrankungen, die die Berufseignung beeinflussen können (z. B. Erkrankungen der Wirbelsäule, Allergien, Erkrankungen innerer Organe) werden bei dieser Beurteilung auch mit einbezogen. Wir holen hierfür – aber nur mit dem Einverständnis der jungen Leute selbst –  Stellungnahmen von Ärzten anderer Fachrichtungen ein oder nehmen mit diesen Kontakt auf. Hierdurch entsteht ein Gesamtbild zur individuellen Berufseignung, bei dem die Auswirkungen verschiedener Erkrankungen untereinander berücksichtigt werden. Wir überprüfen bei jedem unserer Teilnehmenden, ob die Behandlung ihrer Epilepsie wirklich so gut behandelt wird, wie es möglich ist. Wenn wir feststellen, dass es noch Aussichten auf eine Verbesserung gibt, bieten wir den Teilnehmenden an, die dafür nötigen Behandlungsschritte während der Maßnahme im BBW (BvB oder Ausbildung) vorzunehmen. Ziel ist dabei, dass es möglichst keine Anfälle mehr gibt und keine störenden Nebenwirkungen der Medikamente auftreten. Dieses Ziel kann bei vielen Menschen erreicht werden, wenn auch nicht bei allen.  

Welche Möglichkeiten haben Sie, die medizinische Behandlung im Laufe der Maßnahmenzeit im BBW noch zu verbessern?

Der Weg zur Verbesserung der Behandlung kann zum Beispiel eine Änderung bei den eingenommenen Medikamenten während der laufenden Maßnahme bedeuten. Eine solche Medikamenten-Umstellung wird durch den Ärztlichen Dienst im BBW in sehr vorsichtigen Schritten durchgeführt, so dass die jungen Leute dabei arbeitsfähig bleiben. Voraussetzung ist, dass sie zuverlässig mitarbeiten und sich bei Problemen melden. Wir empfehlen diese Form der Behandlung, um sicherzustellen, dass die veränderte Behandlung den Bedingungen des Berufsalltags angepasst ist und „Stand hält“. Es kann auch bedeuten, dass wir einen stationären Aufenthalt in der Epilepsieklinik Mara vorschlagen und die Teilnehmenden, wenn sie es wünschen, dort anmelden. In der Klinik können Medikamenten-Umstellungen erfolgen, die während der laufenden Maßnahme im BBW zu riskant sind. In der Epilepsieklinik Mara können auf Wunsch auch Voruntersuchungen zur Klärung einer Operationsmöglichkeit stattfinden. Außerdem gibt es die Möglichkeit zur Behandlung von nicht-epileptischen (dissoziativen/psychogenen) Anfällen und  zu einer epilepsiespezifischen Rehabilitationsbehandlung, bei der die Teilnehmenden lernen können, ihre Erkrankung besser zu verstehen und mit ihr umzugehen. Für manche dieser stationären Aufenthalte muss die Maßnahme im BBW unterbrochen werden.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Anfallshäufigkeit während der Maßnahmezeit verringert oder die Anfälle sogar ausbleiben?

Eine Verbesserung der Behandlung kann uns dann gelingen, wenn die Teilnehmenden lange genug in unserem BBW sind (mindestens BvB = 11 Monate) und wenn sie gut mitarbeiten. In unser Berufsbildungswerk werden meistens Menschen geschickt, die eine recht schwierige Epilepsie haben oder die nicht so gut wissen, wie sie mit der Erkrankung umgehen sollen. Trotzdem erreichen wir bei Teilnehmenden aus der Ausbildung bei etwa einem Drittel deutliche Verbesserungen bis hin zur völligen Anfallsfreiheit. Zum Teil gelingt dies durch Änderung der Medikation, häufiger noch durch Verbesserung des Krankheitsverständnisses und durch Hilfen zum richtigen Umgang mit der Behandlung. Am besten schneiden bei uns übrigens die Auszubildenden aus den Bereichen „metallverarbeitende Berufe“ und „Berufe im Hotel- und Gastgewerbe“ ab – hier gibt es Besserungen bei 41-44 Prozent der Auszubildenden. Bei den Teilnehmenden der „Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen“ (BvB) wird die Zeit für eine Verbesserung während der Maßnahme allerdings oft sehr knapp. Wir wissen, dass die sehr jungen Menschen in dieser Maßnahme noch viel Anderes zu lernen und zu bewältigen haben. Die meisten haben auch noch kaum Erfahrung damit, sich selbstständig mit ärztlichen Behandlungsvorschlägen auseinanderzusetzen. Der Schritt vom Jugendlichen zum Erwachsenen ist eben in vieler Hinsicht  nicht einfach. Wenn wir feststellen, dass eine Änderung der Behandlung während der BvB zu belastend ist, nehmen wir darauf Rücksicht. Wenn sie nach einer BvB einen Ausbildungsplatz bei uns bekommen, können wir die Verbesserung der Behandlung dann immer noch in Angriff nehmen. Und wenn alles zu schwierig für sie werden sollte, beraten wir die jungen Leute und deren Eltern gerne dabei, welche weiteren Schritte sie jetzt gehen können, um ihre gesundheitliche Situation zu verbessern und dann vielleicht später noch einmal das Ziel Berufsausbildung zu verfolgen.  

Kann ich mich auch mit Fragen an den Medizinischen Dienst  wenden, die nicht direkt mit der Epilepsiebehandlung oder der beruflichen Eignung zu tun haben?

Ja, selbstverständlich. Wir bieten Beratung und Unterstützung bei verschiedensten Fragestellungen an, die mit der Anfallserkrankung zu tun haben. Dazu zählen: der richtige Umgang mit Medikamenten, Wissen über die eigene Erkrankung, Sexualität, Verhütung und Schwangerschaft bei Epilepsie, Sport, Freizeit und Reisen bei Epilepsie, anfallsauslösende Faktoren, Eignung für die Führerschein-Prüfung, Fragen zum Schwerbehinderten-Ausweis, Zuzahlungsbefreiung und vieles andere mehr.

Was ist das Epilepsiezentrum Bethel? 

Das Epilepsiezentrum Bethel umfasst die Einrichtungen in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, die sich schwerpunktmäßig mit Menschen beschäftigen, die von Epilepsie betroffen sind (Epilepsiekliniken Mara und Kidron, Berufsbildungswerk Bethel, Fachkrankenhaus Bethel = betreute Wohngruppen, Beratungsstelle Epilepsie, Pharmakologisches Labor). Alle diese Einrichtungen arbeiten hinsichtlich der Epilepsie nach dem gleichen fachlichen Konzept, es besteht ein inhaltlicher Austausch untereinander und gegenseitige Beratung. Die verschiedenen Einrichtungen liegen nahe beieinander, die Fachleute kennen sich untereinander und wissen, wer in welcher Situation weiterhelfen kann. Für die in diesen Einrichtungen behandelten oder betreuten Menschen bietet das viele Vorteile. Die Jugendlichen sollten dabei aber bedenken, dass es sich um eigenständige Einrichtungen mit unterschiedlichen Kostenträgern handelt, so dass ein nahtloser Übergang von einer in die andere Einrichtung oft nicht möglich ist. 

Ansprechpartnerin

Heike Elsner
Ärztin

Telefon: 0521 144-4178
heike.elsner(at)bethel.de