Blick auf die Kantine, in der auch die Auszubildenden im Bereich Küche ihr Handwerk erlernen und servieren.
Blick auf die Kantine, in der auch die Auszubildenden im Bereich Küche ihr Handwerk erlernen und servieren.

Berufsbildungswerke – Für einen guten Start ins Berufsleben

Seit 1867 gibt Bethel Menschen mit Epilepsie Arbeit. Und seit 1982 sorgt das Berufsbildungswerk Bethel (BBW) für einen guten Start in das Arbeitsleben epileptisch kranker und anderer behinderter Jugendlicher. Um diesen zu garantieren, steht den jungen Leuten ein einmalig breites Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten und unterstützenden Angeboten zur Verfügung. Und diese Hilfe ist notwendig: Trotz immer besserer medizinischer Versorgung sind viele Jugendliche mit Epilepsie immer noch akut von Arbeitslosigkeit bedroht.

Raoul Haus ist Leiter Berufsvorbereitung und Berufsausbildung im Berufsbildungswerk Bethel (BBW). Er weiß, dass er sich in Bethel an einem für Epilepsiekranke geschichtsträchtigen Ort befindet: „In Bethel wurden 1867 in einem alten Bauernhaus deutschlandweit die ersten epileptisch kranken Jugendlichen aufgenommen. Zunächst sollten die jungen Menschen nur unterrichtet, erzogen und medizinisch behandelt werden. Aber schon bald kamen die ersten Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote in einer Vielzahl von Handwerksbetrieben hinzu.” Seitdem hat sich Bethel zu einer europäischen Hochburg in der Behandlung von Epilepsiekranken entwickelt. Eine enge Kooperation gibt es mit dem Fachkrankenhaus Mara. Es gilt als eines der führenden Epilepsiekliniken und jährlich kommen über 5.000 Menschen aus allen Ländern Europas hierhin, um sich behandeln zu lassen.

Berufsbildungswerke dringend nötig

Überall im Bundesgebiet entstanden seit Ende der 70erJahre Berufsbildungswerke für behinderte Jugendliche. Das BBW Bethel gehört zu den beiden Berufsbildungswerken in Deutschland, die ihr Hauptaugenmerk auf Epilepsiekranke gelegt haben. Trotz der immer besser werdenden medizinischen Behandlung von epileptisch erkrankten Menschen sei, laut Haus, die berufliche Rehabilitation ein unbedingtes Muss, denn viele junge Epilepsiekranke leiden zusätzlich zu ihrer Krankheit an psychischen und damit zusammenhängenden sozialen Problemen. Daher müsse man diesen jungen Menschen umfassende Unterstützung geben, die ärztliche Hilfe reiche in den meisten Fällen nicht aus.

Haus erzählt: „Vor ein paar Jahren erschien in Finnland eine Langzeitstudie über die Berufsaussichten von epileptisch kranken Jugendlichen. Für diese Studie wurden Kinder unter 16 Jahren mit Epilepsie über einen Zeitraum von 30 Jahren auf dem Weg ins Erwachsenenalter begleitet. Zum Zeitpunkt der letzten Nachuntersuchung betrug das Durchschnittsalter knapp 33 Jahre. Von den Personen ohne Hinweis auf eine neurologische Störung bei Beginn der Epilepsie (etwa die Hälfte der Teilnehmer an der Studie) waren jetzt 31 Prozent arbeitslos. Zum Vergleich: bei Jugendlichen ohne Epilepsie lag die Arbeitslosigkeit bei nur 8 Prozent. Betrachtete man nur diejenigen, die bei der letzten Nachuntersuchung mehr als fünf Jahre anfallsfrei waren und keine Medikamente mehr einnahmen, dann waren immer noch 20 Prozent arbeitslos! Der Hilfebedarf sei also groß, denn die in der Studie beobachteten Menschen mit Epilepsie erhielten allesamt keine speziellen Hilfen für den Start ins Berufsleben.”

Für Deutschland stellt die EPIDEG II-Studie 2011/2012 den Einfluss der Epilepsie auf die Erwerbstätigkeit von Menschen fest. Nach wie vor ist der Anteil erwerbstätiger Menschen mit Epilepsien am Arbeitsleben auch in Deutschland niedriger als der in der Gesamtbevölkerung. Auch wird festgestellt, dass die Erwerbstätigkeit einen hohen Wert für die subjektive Lebensqualität der Menschen bedeutet. Wir versuchen mit unseren Angeboten jungen Menschen mit Epilepsie eine berufliche Perspektive zu ermöglichen.