Im Empfangsbereich des Ausbildungshotels: Der erste Eindruck ist immer der wichtigste.
Souverän, freundlich und schnell muss es im Hotel zugehen, wie hier bei der Zubereitung eines Latte Macchiato.
Good Housekeeping: Die Reinigung der Gästezimmer ist Teil der Arbeit im Hotel.

Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Hotel und Gastronomie

Interview mit Jürgen Simon, Leitung im Bereich Hotel und Gastronomie

Welche Voraussetzungen sollten junge Menschen für diesen Beruf bzw. dieses Berufsfeld mitbringen? 

Die Jugendlichen sollten die Motivation haben, im Bereich Hotel und Gastronomie zu arbeiten. Das reicht anfänglich aus. Später muss auch die Belastbarkeit dazu kommen sowie die Fähigkeit, den schulischen Anforderungen gerecht zu werden.

Welche Probleme könnten für anfallskranke und lernbehinderte Menschen in diesen spezifischen Berufen auftreten - also auch für diejenigen, die sich im Rahmen der Arbeitserprobung als "fit" für diesen Berufszweig erwiesen haben?  

Zu Problemen kann es kommen, wenn die Jugendlichen nicht genug Ausdauer aufbringen können – ob psychisch oder physisch. Bei uns sind sie selten am Arbeits- und Ausbildungsplatz überfordert, denn wir können das durch Änderungen in der personellen Besetzung der Arbeitsschichten und andere Anpassungsmaßnahmen ganz gut steuern. Bedeutsamere Herausforderungen in der Ausbildungszeit sind gewöhnlich die schulischen Anforderungen. Hier kommen viele junge Menschen leider schnell an ihre Grenzen. Auch Heimweh spielt eine große Rolle. Leider ist dies ein Problem, das man sich gerade in diesem Berufsfeld schwer leisten kann, denn die späteren Arbeitseinsätze sind zumeist weit weg von den Heimatregionen der Auszubildenden in den Tourismushochburgen der Republik.

Welche aktuellen Berufsperspektiven gibt es für Absolventen in dem jeweiligen Bereich?  

Derzeit wird einerseits Nachwuchs für die Gastronomie händeringend gesucht, andererseits arbeiten viele Gastronomen noch wie vor 50 Jahren. Letzeres bedeutet für die jungen Leute oft schwierige und antiquierte Arbeitsbedingungen, bei denen sie– oft zu Recht – keinen Spaß an ihrer Arbeit entwickeln können. Neue Betriebe mit neuen Konzepten, die meist junge Leute ansprechen, geben schwächeren und selbst ungelernten jungen Menschen die Chance auf einen Arbeitsplatz. Diese Jobs sind aber zumeist schlecht bezahlt und eignen sich daher lediglich als Einstieg in den Arbeitsmarkt. Der Zugang zu Bistros und Cafés ist leichter als früher, es gibt viele Angebote und eine starke Nachfrage. Standardisierungen in den Angeboten, smarte logistische Konzepte und effiziente Organisation der Belegschaften erleichtern oder ermöglichen überhaupt erst den Arbeitseinstieg für viele der leistungsschwächeren Auszubildenden.

Wie sind die Erfahrungen der Absolventen in den letzten Jahren bei der Jobsuche als auch (soweit bekannt) am neuen Arbeitsplatz?

Die guten Arbeitsbedingungen in unserem Ausbildungshotel Lindenhof mit seinen gut organisierten und standardisierten Angeboten sowie seiner überschaubaren Produktvielfalt und die zum Teil sehr guten Ergebnisse bei den Abschlussprüfungen – unsere Leute erreichen in den Ausbildungsbereichen Helfer und Fachkraft im Gastgewerbe sehr oft die besten Ergebnisse bei den IHK-Prüfungen – verführen dazu, die Zukunft erst einmal nur sehr rosig zu sehen. Die Arbeit in einem anderen Betrieb zeigt den jungen Leuten dann leider oft eine andere Realität. Da kann viel zusammenkommen: Der Betrieb ist möglicherweise schlecht organisiert, die hygienischen Verhältnisse sind beklagenswert und das Arbeitsklima generell unfreundlich. Diese und andere Faktoren führen dann schnell zur Desillusionierung.   Hier hilft der Kontakt unserer Auszubildenden zu BBW-Absolventen, die bereits im Arbeitsleben stehen, dabei, mit einer realistischeren Perspektive die Ausbildung zu absolvieren und keine zu optimistischen Erwartungen zu entwickeln. Aus diesem Grund laden wir auch immer wieder ehemalige BBW-Absolventen zum Erfahrungsaustausch in den Lindenhof ein.

Wie hoch ist die aktuelle Vermittlungsquote in dem Berufsfeld?  

Die Teilnehmenden des letzten Jahrgangs haben alle einen Arbeitsplatz gefunden. Je nach Jahrgang sind die Erfolgsquoten aber unterschiedlich, denn das hängt sehr von der Leistungsfähigkeit der Ausbildungsteilnehmer ab, die von Jahr zu Jahr sehr unterschiedlich sein kann.

Gibt es im spezifischen Berufsfeld ein Arbeitsprojekt der Azubis, das sie ohne fremde Hilfe selbst entwickeln und durchführen mussten?

Gab es und gibt es immer wieder. Der Martinsmarkt ist ein solches Beispiel. Die Veranstaltungsplanung dieses regelmäßig stattfindenden Marktes liegt vollkommen in den Händen der Jugendlichen und ist ein fester Bestandteil im Jahresprogramm des Lindenhofes geworden. Dabei werden die Speisekarten und / oder einzelne Gerichte von Jugendlichen vorgeschlagen, vorgestellt und in das Angebot aufgenommen. Für dieses Jahr wollen wir die Grillaktionen in die Hand der jungen Leute legen. Auch die Weihnachtsdekoration des Lindenhofs wurde dieses Jahr wieder komplett von den Auszubildenden gestaltet. Die aktive Teilnahme bei der Entwicklung und Gestaltung ist ein sehr wichtiger Punkt in unserer Ausbildung. Hilfestellung gibt es für diese Projekte nur bei gezielter Nachfrage – ansonsten mischen sich die Ausbilder nicht ein. 

Ansprechpartner

Jürgen Simon
Leitung Hotelbereich

Telefon: 0521 144-6100
juergen.simon(at)bethel.de